Tarifvertrag hotel- und gaststättengewerbe nordrhein-westfalen

Trotz der Existenz eines relativ großen Niedriglohnsektors in der deutschen Wirtschaft fordern Politiker und Ökonomen in der aktuellen öffentlichen Debatte zunehmend eine stärkere Differenzierung von Löhnen und Einkommen, um mehr Arbeitsplätze zu schaffen und Arbeitslosigkeitsprobleme zu lösen. Die WSI-Studie enthält jedoch eine Bewertung von 24 der wichtigsten industriellen Tarifverträge, aus der hervorgeht, dass es bereits eine erhebliche Differenzierung der Einkommen zwischen diesen Sektoren gibt. Tabelle 3 gibt einen Überblick über die Einkommensdifferenzierung innerhalb der verschiedenen Einkommensgruppen. Im Vergleich zu vielen anderen westlichen Industrieländern hat Deutschland das Image, eine Hochlohnwirtschaft mit einer relativ geringen Ungleichheit bei Einkommen und Lebensstandard zu sein. Dies ist vor allem das Ergebnis des deutschen Systems der zentralen Tarifverhandlungen auf Branchenebene , bei dem fast alle Beschäftigten in allen Branchen die gleiche Grundvergütung erhalten. Es ist jedoch nicht allgemein bekannt, dass es immer noch eine große Anzahl von Sektoren und Beschäftigungsbereichen gibt, in denen die tariflich vereinbarten Grundlöhne und -gehälter relativ niedrig sind. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des Instituts für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften (WSI) zu Niedriglöhnen in Deutschland (“Niedriglöhne.” Die Realität: Armut trotz Arbeit”, Gerd Pohl & Claus Schäfer (Eds), VSA-Verlag Hamburg (1996)). Die Studie wurde von der Europäischen Kommission inspiriert, die 1993 eine Stellungnahme zu einem gerechten Lohn verabschiedete, deren Hauptzweck darin bestand, “bestimmte Grundprinzipien für gerechte Löhne unter Berücksichtigung der sozialen und wirtschaftlichen Gegebenheiten zu skizzieren”. Eine WSI-Bewertung von Tarifverträgen zeigt, dass typische Niedriglohnbranchen in Deutschland in den Dienstleistungsbranchen mit überwiegend weiblichen Arbeitskräften zu finden sind. So verdiente 1995 ein Portier in einem Hotel im Saarland ein Bruttogrundeinkommen von 1.616 DEM pro Monat. Ein Florist verdiente etwa 2.137 DEM und ein Friseur etwa 2.240 DEM.

Zum Vergleich: 1995 betrug das durchschnittliche monatliche Grundeinkommen (in der Ausgangsskala einer mittleren Einkommensgruppe) der 24 wichtigsten Tarifbereiche etwa 2.980 DEM. Tabelle 1: Vollzeitbeschäftigte mit niedrigem Lohnniveau in Deutschland (1975-1990)) Die Leistung der deutschen Wirtschaft wird in der Regel als durch hohe Löhne und hohe Produktivität gekennzeichnet, begleitet von einer relativ geringen Differenzierung des Einkommensniveaus im Vergleich zu anderen Ländern.